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Predigt von Pfarrer Michael Schmitt am 22.04.2018

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Schwestern und Brüder,

wer sich mit der langen Geschichte unserer ehemaligen Stifts- und heutigen Pfarrkirche St. Walburga beschäftigt, stößt auf eine Vielzahl von wunderlichen Tontöpfen. Noch heute sind sie zu sehen. Kopien ersetzen allerdings die kostbaren Originale in der Kirche. Diese sind in der örtlichen Schatzkammer und in anderen Museen zu bewundern. Über 130 Exemplare sind erhalten; überall im Fußboden, in den Wänden waren sie eingemauert.

Wie wir heute wissen, sind die außergewöhnlich gut erhalten Keramikgefäße weit über 1000 Jahre alt, ein Erbe aus spätkarolingischer Zeit. Sie stammen größtenteils aus der Kölner Bucht, einige wenige aus Nordhessen. Aber: Welchen Sinn, welche Aufgabe hatten sie? Diese Fragen stellte man sich seit langem. Heute ist man sich ziemlich sicher, dass die sauerländischen Bauherren aus dem beginnenden 10. Jahrhundert bereits die Schriften des römischen Architekten Vitruv kannten. Der Baumeister des Altertums berichtet von Schallgefäßen zur Verbesserung der Akustik in Theaterbauten, die in einem ausgeklügelten System als Resonanzkörper dienten. Und so kam es zum Einbau dieser akustikverbessernder Mittel in der Frühzeit von St. Walburga. In dieser frühen Phase der Christianisierung waren die Kirchen nicht nur die Zeugnisse des neuen, christlichen Glaubens, sondern zugleich die ersten Steingebäude in Westfalen, die es in ihrer Größe zu beschallen galt. Wenn es heute hin und wieder Probleme mit der Lautsprecheranlage der Kirche gibt, sage ich oft: „Dieses Probleme haben wir nun schon über 1000 Jahre.“

 Aber bleiben wir einmal beim Grundproblem des Hörens. Nicht nur, weil wir in einer Zeit leben, wo die Neuverkündigung des christlichen Glaubens von neuer, von hoher Aktualität ist! „... sie werden auf meine Stimme hören!“ (Joh 10,16b), so heißt es im Evangelium dieses Sonntags. Auf die Stimme des guten Hirten hören!

Die Schalltöpfe unserer Kirche erinnern mich immer wieder daran, dass das nicht nur ein akustisches Problem ist. Fragen steigen dabei auf: Kommt das Wort Jesu heute überhaupt noch zu Gehör? Geht es in der Vielfältigkeit der Dinge, die uns in Beschlag nehmen, in der Geschäftigkeit und Pluralität der Stimmen dieser Zeit nicht oft unter?

Und doch: „... sie werden auf meine Stimme hören!“ - Diese Zusage des Herrn steht! Daraus folgt zum einen: Der heutige Sonntag erinnert uns daran, ermutigt uns immer wieder neu, auf Seine Stimme zu hören in dieser Zeit, in dieser Welt, mit diesen Menschen, die auch uns anvertraut wurden. Papst Franziskus formuliert es in seinem vor zwei Wochen erschienenen Apostolischen Schreiben „Gaudete et exultate“ so: „Hören wir wieder auf Jesus, mit all der Liebe und Achtung, die der Meister verdient. Gestatten wir ihm, dass er uns mit seinen Worten trifft, uns herausfordert, uns zu einer tatsächlichen Änderung des Lebens aufruft.“[1] Soweit Papst Franziskus.

Und zum anderen: Die Schalltöpfe unserer Kirche erinnern daran, dass wir Christen solche Schallkörper des Glaubens, der Stimme des guten Hirten sein sollen! Klangkörper Gottes, die seinen Ton, seine Botschaft, seine Melodie zum Klingen und zum Schwingen bringen. Darüber hinaus braucht es Menschen, die sich ganz in diesen Dienst stellen: als Priester und Ordenschristen sowie in den vielfältigen Aufgaben der pastoralen Berufe der Kirche. Auch an dieses Anliegen erinnert der „Sonntag des guten Hirten“. 

So haben die uralten Schalltöpfe für uns nicht nur eine kunsthistorische Bedeutung, eine technische Funktion von damals, sondern sie haben einen ganz aktuellen Bezug: Sie wollen uns ermutigen  – im Sinne des guten Hirten –,  seine Stimme hörbar, erfahrbar zu machen und darum zu beten, dass sich immer wieder Menschen dem Herrn für diesen wichtigen Auftrag zur Verfügung stellen: als Klangkörper Gottes, die seinen Ton, seine Botschaft, seine Melodie zum Klingen und zum Schwingen bringen.

Amen.


[1] Apostolisches Schreiben „Gaudete et exsultate“ 66.

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