Gründung 1919


1919 Gründung eines gemischten katholischen Kirchenchores
und sein Fortbestand auch in den Kriegsjahren bis 1945
Chorleitung Johannes Simon

 

 

Im Archiv des Kirchenchores besteht noch eine handschriftliche ausführliche Chronik von 1919 bis 1936 in Sütterlin-Schrift, verfasst von Josef Schäfer, Fritz Vielhaber, einem ungenannten Schreiber oder einer Schreiberin, sowie dem 1. Vorsitzenden, Heinz Faupel. Hier ein kleiner Auszug von der Gründung des Chores in der Handschrift von Josef Schäfer.

So einfach, wie die Sache sich anhört, war dies aber damals nicht, denn gemischte Chöre kannte man hier in der Gegend kaum, vor allem nicht im Gotteshaus. Bisher hatte seit 30 Jahren nur ein Männer-Kirchenchor bestanden, zuletzt unter der Leitung des Hauptlehrers Karl Wahle, der 1918 verstorben war.

Gegründet wurde der erste gemischte Kirchenchor nach mündlicher Überlieferung im alten Hause Contzen. Dies war eine Gastwirtschaft in der Ruhrstraße/Ecke Im Rebell. Der Inhaber war Fritz Contzen, der 1916 Kreuzbruder wurde.

„Ein Kirchenchor bestand vor der Gründung des gemischten Chores schon als Männerchor, zuletzt unter Leitung des 1918 verstorbenen Hauptlehrers Karl Wahle, der den Chor ca. 30 Jahre leitete. Ein Nachfolger als Organist wurde Mai 1919 der von Endorf hierher versetzte Lehrer Johannes Simon. Auf dessen Anregung wurde am 27. August 1919 ein gemischter Kirchenchor zusammengesetzt und zwar aus den Mitgliedern des früheren Männerchores einerseits und aus der Gesangabteilung der Jungfrauen - Kongregation andererseits. Der
Chor bestand nun aus 47 Damen und 19 Herren“.

Der Text Josef Schäfers in der Übertragung

 

05dechantdornseifer

1919 hieß das Gasthaus wahrscheinlich schon „Bürgerhaus“, der Inhaber war Joseph Aufmkolk. Später befand sich dort die Metzgerei Schultenkämper, heute das Bekleidungshaus „Bonita“. Die Chorproben, mit denen Ende September 1919 begonnen wurde, fanden wohl zunächst im Gesellenhaus an der Arnsberger Straße statt. Präses wurde der damalige Pfarrer von St. Walburga, Dechant Josef Dornseifer. Die Chorproben, mit denen Ende September 1919 begonnen wurde, fanden wohl zunächst im Gesellenhaus an der Arnsberger Straße statt. Präses wurde der damalige Pfarrer von St. Walburga, Dechant Josef Dornseifer.

 

Dechant Josef Dornseifer, Pfarrer von St. Walburga von 1916 - 1933

1921


Der Chor trat dem „Diözesan-Cäcilien-Verein“ bei, wobei der Mitgliedsbeitrag vorläufig von der Kirchenkasse bestritten wurde. In diesem Jahr gab es auch am 20. November um 16.00 Uhr in der St. Walburga-Kirche die erste Cäcilienfeier für die Dekanate Meschede und Wormbach. Hier handelte es sich wohl um ein großes kirchenmusikalisches Konzert mit zahlreichen Chören aus den beiden Dekanaten, die allerdings zum größten Teil keine Kirchenchöre waren.

 

 

 

Johannes Simon, Gründer und 1. Chorleiter des neuen Chores von 1919 - 1948/49


1923


Der Chor veranstaltete in diesen Jahren mehrere Konzerte in der Schützenhalle. 1923 gab er ein Benefizkonzert für das Krankenhaus mit mehr als 150 Sängern. Es waren 2000 Zuhörer gekommen. Den Schwestern des Krankenhauses konnten am Ende 2.300.000 Mark überreicht werden. Es war die Zeit der Inflation.

In der Chronik des Chores wird deutlich, welche Bedeutung er für das kulturelle Geschehen der Stadt Meschede hatte. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass der Kirchenchor mit Proben für anspruchsvolle und aufwändige Konzerte und dem Einstudieren von Messen und geistlichen Liedern für die Gottesdienste das ganze Jahr über beschäftigt war. Vor großen Konzerten wurde teilweise täglich geprobt. Nicht selten kamen eigene Kompositionen des begabten Musikers Johannes Simon zur Aufführung. Die Zuschauerzahl bei den Konzerten belief sich meistens um 1000 Personen. Die Einnahmen und Ausgaben mussten sich mindestens decken. Wenn jedoch etwa „nur“ 800 Zuhörer kamen, geriet der Chor in finanzielle Schwierigkeiten. Die enormen Kosten für große Veranstaltungen bestritt man deshalb durch Einnahmen aus Aufführungen von Singspielen und Theaterstücken. Dies alles war für die Chormitglieder mit großem Aufwand verbunden. Auch war man auf Spenden der Bürger angewiesen.

Er war nach Nordamerika ausgewandert und schickte eigens hierfür eine 10 $ Note. Zu den zahlreichen Proben für viele Aufführungen mussten die Sänger(innen) teilweise selber Brennholz zum Heizen des Gesellenhauses mitbringen.

Damals wurden an allen Hochfesten mehrstimmige Messen gesungen, die gewissenhaft geprobt wurden. In der Zeit ohne Fernsehen wurden musikalische Aufführungen auch außerhalb der Kirche gerne besucht. Der Chor kam diesem kulturellen Bedürfnis nach.

 

 

 

 

 

1924


Johannes Schüttler schenkte dem Chor einen ca. 120 Pfund schweren Hirsch, der durch den Verkauf des Fleisches 85 R-Mark einbrachte. Die Vorstandsmitglieder waren dennoch mit großen finanziellen Sorgen belastet. Der Dirigent und der Schriftführer übernahmen zeitweise für die Schulden beim Kreditverein die selbstschuldnerische Bürgschaft. Viele Ehrenmitglieder unterstützten den Chor mit einem Jahresbeitrag von 2 R-Mark.
Der Chor zählte über Jahre hinweg ca. 50 bis 60 Mitglieder. Bei besonderen Konzerten wurde er jedoch durch viele sangesfreudige Bürger erweitert.

1925


In der handschriftlichen Chronik ist vermerkt, dass der Chor im November, nach der Fertigstellung des St. Antonius Jugendheims in der „Passe“, in dieses übersiedelte. Die sogenannte Passe war ein ehemaliger Passionsweg oder Kreuzgang im Westflügel des alten Stiftsvierecks. Hier befand sich vorher das Gerätehaus der Feuerwehr. Später wurde es dort allerdings zu eng. Vermutlich hat man dann ein Jugendheim darin errichtet. Der Name „St. Antonius“ hat vielleicht nur kurz bestanden, denn daran erinnert sich niemand der Befragten. Nach der Zerstörung der Kirche und aller Nebengebäude im Krieg 1945 wurde an der Stelle der Passe später der Kindergarten bzw. das heutige Jugendheim St. Walburga gebaut. Dort probt auch jetzt wieder der Kirchenchor, also wie zu alter Zeit.



 1927


Am 29. Mai wurde mit Hilfe des städt. Orchesters Hagen im großen Saal der alten Schützenhalle Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ mit mehr als 200 Sängern aufgeführt.

Der katholische Kirchenchor in Meschede wurde über die regionalen Grenzen hinweg geachtet und gelobt. Sogar in der Leipziger „Allgemeinen Musikzeitung“ wurde die Aufführung der „Schöpfung“ lobend erwähnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der handschriftlichen Chronik sind zahlreiche Zeitungsartikel aus alter Zeit aufgehoben, die von der Bedeutung des Mescheder Kirchenchores berichten.

 

1929


 

Georg Friedrich Händels „Messias“ wurde am 5. Mai vor 1000 Zuhörern aufgeführt. Auf der Bühne standen 30 Tenöre und 40 Bässe, entsprechend viele Sopranistinnen und Altistinnen, Solisten und das städt. Orchester Witten.
Die Chronik weiß zu berichten, dass z.B. bei einer Großveranstaltung in der Schützenhalle 1200 Stühle aus den Mescheder Familien ausgeborgt werden mussten. Schüler hatten unter „peinlichster Aufsicht“ von Josef Schäfer diese Aufgabe vor und nach der Veranstaltung durchzuführen. Und hier ein Zitat aus der Chronik, den Chorleiter Johannes Simon betreffend:

„Untrügliche musikalische Sicherheit und das Fehlen jeder Pose zeichnen den Dirigenten Johannes Simon aus. Lange vor der Ausführung betrieb dieser mit sittlichem Ernst das intensive Studium des bevorstehenden, schwierigen Werkes.“

 

1930


10NeujahrRundfunkprogrammEin großes Ereignis für den Kirchenchor war der Auftritt beim Westdeutschen Rundfunk in Köln am Neujahrstag.

Er sang in der katholischen Morgenfeier eine Stunde live vor den Mikrofonen und erntete viel Lob auch in der Kölner Presse. Der Chor erhielt zudem viele Dankesschreiben von Rundfunkhörern.

In diesem Jahre wurde dem kath. Kirchenchor auf Antrag hin, durch Erlass des „Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung“ der sogenannte „Kunstschein“ erteilt. Dieses bedeutete neben der Ehrung auch Steuerfreiheit für seine Veranstaltungen. Zuvor wurde er jedoch auf sein Können geprüft.


1931


Am Pfingstsonntag durfte der Chor zum zweiten Mal in der Morgenfeier beim Westdeutschen Rundfunk in Köln singen. Es bestand seit dem Jahr 1930 ein freundschaftlicher Kontakt zum Chor der St. Gereon-Basilika in Köln. So traf man sich auch bei dieser Gelegenheit in der Domstadt.

 

Mit der Zeit entstanden auch freundschaftliche Kontakte mit Chören der näheren und weiteren Umgebung von Meschede; z.B. machten die Sängerinnen und Sänger mehrere Male per Leiterwagen Ausflüge nach Endorf und Rüthen, (dem Geburtsort des Dirigenten), wobei die Gespanne unterwegs zweimal ausgewechselt werden mussten.

 1932


In diesem Jahr wurde ein neues Kolpinghaus an der Kolpingstr. gebaut. Es bekam den Namen „Franz-Schweitzer-Haus“. Der Chor hat danach bis zur Zerstörung des Gebäudes 1945 hier seine Proben abgehalten.

Der Kirchenchor wählte zum ersten Mal einen Vorstand und erhob einen monatlichen Beitrag von 0,20 RM. Folgende Damen und Herren wurden bei der ersten Vorstandswahl des Chores am 09. September gewählt:

1. Vorsitzender: Heinz Faupel
2. Vorsitzender: Klemens Niggemeier
1. Schriftführer: Fritz Vielhaber
2. Schriftführer: Georg Kämpfer jun.
1. Kassiererin: Elisabeth Krick
2. Kassiererin: Mathilde Lindemann
Archivarin: Maria Lindemann

Damit begann eine neue Phase im Vereinsleben des Chores. An diesem Tag gab er sich auch die ersten Statuten.


1933


 

Im November verstarb Dechant Dornseifer. Sein Nachfolger als Pfarrer von St. Walburga wurde Joseph Künsting (Bild siehe Folgeseite), der somit auch der neue Präses des Kirchenchores wurde. Trotz der nationalsozialistischen Einflussnahmen ab dem Jahr 1933 behauptete sich der Kirchenchor die ganzen Jahre hindurch.

 

 

 

 

 

 


 1938


Der Chor bekam in diesem Jahr eine „Grüne Mitgliedskarte“ zum Reichsverband der gemischten Chöre für dieses Jahr und war somit berechtigt, öffentlich musizierend aufzutreten.

Bedingt durch die sich immer mehr vollziehende politische Einengung und den Abgang vieler junger Männer, die Soldat werden mussten, beschränkte sich der Chor verstärkt auf den kirchlichen Gesang. Trotz aller Schwierigkeiten sang der Chor an allen Hochfesten.

Die Chronik berichtet von Sterbefällen einzelner Mitglieder, auch durch Bomben hervorgerufen. Alle Chorsänger, die als Soldat ins Feld mussten und dort starben, wurden gewissenhaft aufgeführt.

1941


Am 21. März wurde die 2. Mescheder Pfarrei „Mariä Himmelfahrt“ gegründet. Es gab noch keine eigene Pfarrkirche, so dass die Gottesdienste in der sogenannten „Barackenfiliale“ am Pulverturm stattfanden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für diese neue Gemeinde verantwortlich wurde Pfarrvikar Franz-Josef Grumpe aus der Pfarrei St. Walburga, der später der Pfarrer der Gemeinde Mariä Himmelfahrt wurde.

 

 1945


In den letzten Kriegswochen fielen Bomben auf Meschede und zerstörten am 19. Februar auch die St. Walburga-Pfarrkirche. Der Turm brannte aus, Glocken und Orgelwerk wurden zerstört. Der Schrank im Turm hinter der Orgelbühne mit dem kostbaren Notenmaterial brannte vollkommen aus. Abgesehen von 7000 bis 8000 R-Mark Sachwert, ging ein unbezahlbarer ideeller Wert verloren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruine der St. Walburga-Pfarrkirche nach dem Bombenangriff 1945

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